Geboren 1937 in (Tschechoslowakei)
Lebt und arbeitet in (Vereinigte Staaten )
Biographie
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Biographie

Woody Vasulka ist 1937 mit dem Namen Bohuslav Vasulka in Brno in der Tschechoslowakei geboren. Er studiert Metallurgie und hydraulische Mechanik am technischen Gymnasium seiner Stadt und er macht 1956 das Abitur. Sehr schnell entscheidet er sich für die Filmkunst und 1964 erhält er das Diplom der Akademie für dramatische Kunst in Prag, Abteilung Lichtspiel und Fernsehen, mit einer Spezialisierung in Dokumentarfilmen. Im selben Jahre heiratet er Steina Vasulka, deren Bekanntschaft er 1962 in Prag gemacht hat. 1965 wandert das Paar aus und siedelt sich in New York an. Während der darauffolgenden Jahre arbeitet Woody als Monteur mit Francis Thompson, als Ausstellungsdesigner und als technischer Berater beim Alternate Media Center und beim Electronic Arts Intermix. Ab 1969 arbeitet das Paar im Videobereich. 1971 gründen sie zusammen mit Andres Manik The Kitchen, eine den elektronischen Medien, dem Videofilm, dem Kinofilm, der Musik und den Aufführungen gewidmete Stätte, die in der alternativen Szene New Yorks bis zum heutigen Tage enormen Einfluß hatte. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre ist Woddy zusammen mit seiner Frau als Künstler beim National Center for Experiments in Television (NCET), beim Fernsehsender KQED in San Francisco und bei WNET/Thirteen in New York eingeladen. Zwischen 1973 und 1979 ist er Professor im Center for Media Study der State University von New York in Buffalo. 1974 kauft er einen Rutt-Etra-Prozessor, und ab 1976 beginnt er mit dem Bau des Digital Image Articulator zusammen mit Jeffrey Schier. Woody Vasulka war schon immer der Ansicht, daß ein Videokünstler frei über seine eigenen Maschinen verfügen muß, um sie gut zu kennen und sie gut in die Praxis umsetzen zu können. Er hat zahlreiche Maschinen modifiziert oder gebaut; der Digital Image Articulator nimmt jedoch eine zentrale Stellung in seiner Arbeit ein, sowie auch die Entwicklung einer Bildherstellungs-Software mit der Bezeichnung Syntax of Binary Images, die ihn bis zum Ende der 70er Jahre die meiste Zeit beschäftigt.
1980 lassen sich die Vasulkas in Santa Fe nieder, wo Woody zwei bedeutende Werke produziert, für welche er seine Maschinen verwendet: The Commission (1983) und Art of Memory (1987). Im Gegensatz zu den vorhergehenden Streifen, integrieren diese beiden bedeutenden Werke die digitale Bearbeitung der Bilder in einem komplexen narrativen Projekt. Ab Anfang der 90er Jahre orientiert sich seine Arbeit mehr in Richtung Einrichtungen oder Umgebungen, mit Werken wie Theater of Hybrid Automata (1990) und The Brotherhood (1994-96). Mit einer großzügigen Verwendung der Digitalisierung, die nunmehr dank der Weiterentwicklungen der Informatik und der Software erleichtert wird, produziert Woody Werke, die wie Programme oder Skizzen weiterer möglicher Werke wirken können; in diesem Bereich ist er seiner anfänglichen Arbeitsweise sehr treu geblieben, die schon immer die eines Setzers von Meilensteinen war. Theater of Hybrid Automata bildet virtuelle Räume, die zuallererst den Normen einer einfachen Geometrie zu entsprechen scheinen (ein Würfel in einem Würfel), aber die Vervielfachung der Verschachtelungen, und die Aufsplitterung der Bilder auf zahlreiche Bildschirme entfernen dieses Werk radikal von der Struktur der Camera Oscura, die es zunächst nachahmt.
Der Zuschauer nimmt an dem Werk Teil, da die Einrichtung eine Kamera aufweist, die in Echtzeit filmt; die Bearbeitung des Bildes wird jedoch soweit getrieben, daß jeglicher Anpassungseffekt unmöglich ist. Dieses Werk ist in Artifices 2 (Kunstgriffe 2), Universität Paris III Saint-Denis, aber auch in Bonn, Linz, Rotterdam und Prag gezeigt worden.
Woody beschreibt sich selbst als einen "praktischen Philosophen", als einen Maschinenmacher; die Maschinen waren nie seine Daseinsberechtigung, aber sie sind starke Quellen künstlerischer Inspiration. (LLH)